Gesichter Myanmars

Wie mich der größte Schatz des Landes Fand

 

Zwischen Indien und Thailand liegt ein einzigartiges Juwel: dampfender Dschungel, ein uraltes Tempelmeer und faszinierende Kultur. Myanmar war durch seine gewalttätige Militärjunta jahrelang von der Außenwelt abgeschnitten. Nach seiner Öffnung für Reisende habe ich sofort meine Chance ergriffen: Ich lande in der Großstadt Yangoon, lasse ihr lautes Gewusel hinter mir und fahre ins Hinterland. In den kleinen Dörfern fühle ich mich in der Zeit zurückgeworfen -  und genau dort wartet der größte Schatz des Landes auf mich.

 

Kalaw, Myanmar, Wasserbüffel, Dorf
Schutz vor dem Monsun

 

Hört der Regen in diesem Jahr gar nicht mehr auf? Schon wieder fallen dicke Tropfen und verwandeln den schmalen Weg vor meinem Haus in eine einzige Pfütze. Phyo muss gleich wieder da sein. Er wollte nur eben den Wasserbüffel auf die Wiese treiben. Bei meinen Pflanzungen steht eine Gruppe Fremder. Sie werden gleich alle komplett durchnässt sein. Ich winke sie zu mir herein. Mein Haus hat genug Platz für alle. Sie sind schwer beladen, wie die meisten Fremden, die hier jeden Tag auf ihrem Weg zum großen See vorbeilaufen. Sie sehen immer gleich aus: kurze Hosen, Kameras und schwere Rucksäcke. Warum laufen sie den beschwerlichen Weg und bezahlen nicht ein paar Kyat für den Bus? Sie setzen sich zu mir und meiner Enkelin Aung. Sie lachen fröhlich, weil sie trocken bleiben. Sie holen ihr Mittagessen heraus und bieten an, es mit uns zu teilen. Einer fragt mich noch, ob er ein Foto von mir und Aung machen darf. Dann bricht die Sonne durch. Sie bedanken sich und gehen weiter. Für mich ist es selbstverständlich, dass ich mein Wohnzimmer anbiete.

 

Myanmar, Pythons im Wasserbecken, Segnung, Opfer
Schlangentempel (Hmwe Paya)

 

Unruhiges Treiben in der Tempelhalle. Die drei Pythons sind schon wach. Eine nach der anderen ziehe ich hinter der goldenen Buddhastatue hervor und lasse sie baden. Ein Raunen geht durch die Menge. Die Menschen staunen, lachen, posieren für ein Foto – wie jeden Vormittag. Heute ist nur ein Besucher von weit her gekommen. Als er an der Reihe ist die große Schlange zu halten, wirkt er glücklich. Ob er weiß, dass in unserem Glauben die Schlange eine wichtige Bedeutung hat? Sie symbolisiert Wiedergeburt, Tod und Sterblichkeit. Wir haben alle harte Zeit hinter uns. Zeiten, in denen mir mein Glaube sehr geholfen hat. Ich vertraue darauf, dass die Zukunft besser wird. Gleich gebe ich die Tiere wieder in den Schutz von Buddha.

 

Bagan - junger Postkartenverkäufer
Bagan - junger Postkartenverkäufer

 

„Hey Mister, möchten Sie meine Postkarten kaufen?“ Ich zeige meine Bilder. Hier kommen jeden Tag so viele Leute vorbei: Mit Bussen, Autos, Rollern, Fahrrädern. Sie sind alle groß und tragen Uhren, Schmuck, und saubere Schuhe. Der Mister schaut meine Postkarten an und lächelt. „Die habe ich in der Schule gemalt“. Meine Familie kommt jeden Tag an diesen Tempel. Mama kocht Essen und verkauft es. Papa sagt, ich muss mithelfen, Geld zu verdienen. Der Mann macht Quatsch mit mir. Ich lache. Er macht ein Foto von mir und zeigt es mir auf der Kamera. Mama hat mir heute viel Thanaka ins Gesicht gerieben, dabei scheint die Sonne doch gar nicht so stark. Ich frage den Mister wieder, ob er meine Postkarten kaufen möchte. Er gibt mir eine Münze und geht weiter. Da kommen zwei Frauen: „Hey Mister, möchten Sie meine Postkarten kaufen?“

 

Einbeinruderer
Einbeinfischer mit Reuse

Wie jeden Morgen bin ich die Treppe runter und in mein Boot gestiegen, das ich abends immer unter dem Haus festbinde. Ich lebe mein ganzes Leben in unserer Stelzenhütte auf dem See. Schon als kleiner Junge ist mein Vater mit mir zum Fischen rausgefahren. Von ihm habe ich gelernt, wie ich mit einem Bein und einem Arm das Ruder bediene. So habe ich immer eine Hand frei zum Fischen. Mein Vater hat das schon genauso von seinem Vater gelernt. Wir haben auch einen Gemüsegarten auf einer schwimmenden Insel. Harte Arbeit. Vor ein paar Jahren hatte ich einen guten Einfall. Zu unserem schönen See kommen viele Besucher. So wie auf dem Boot da vorne. Ich zeige den jungen Leuten, wie unsere Reusen aussehen und wie wir unser Ruder benutzen. Meine Freunde wundern sich, wie ich mein Geld verdiene. Sie lachen und sagen dann: „Du bist der letzte Fischer, der kein großes Netz und keinen Motor im Boot hat.“

 

Bettelmönche auf ihrer morgendlichen Almosentour
Bettelmönche auf ihrer morgendlichen Almosentour

 

Ich bin FC Liverpool Fan. Gestern Abend haben wir alle zusammen das Spiel gegen Manchester auf dem kleinen Fernseher in Zins Restaurant geschaut. Am Nachbartisch saß eine Gruppe Touristen, die haben viel gelacht, gegessen und Bier getrunken. Liverpool hat gewonnen, da habe ich mich sehr gefreut. Heute Morgen musste ich trotzdem früh aufstehen. Wie jeden Morgen verlassen wir das Kloster und gehen in langen Reihen unsere Runde durchs Dorf. Dort erwarten uns die Menschen schon mit ihren Reiskesseln. Sie füllen freudig unsere Schüsseln, so dass wir nie hungrig sind. Manchmal treffen wir dabei die Touristen. Sie runzeln immer die Stirn, wenn wir Almosen annehmen. Die Menschen hier sind froh, dass sie uns helfen können. So verbessert sich ihr Karma. Denn alles was wir tun, egal ob gut oder schlecht, wirkt im nächsten Leben weiter.

 

Noch mehr Schätze

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Berufsverkehr in Myanmar
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Mönch sitzt neben Stefan Walter am Tempel in Bagan
Bagan

Hinter den Kulissen

  • Nur 13 Tage Reisezeit - trotzdem ist Myanmar das Land, an das ich am häufigsten zurückdenke
  • In keinem anderen Land sind so viele Menschen auf mich zugekommen, um mich ohne Hintergedanken einfach nur kennen zu lernen.
  • Ich habe mein Portmonee in einer Teestube auf dem Tisch vergessen - ein Junge ist mir nach gesprintet, um es mir zurückzugeben
  • Ich wünsche mir, dass die Unterdrückung und die Menschenrechtsverletzungen aufhören und die Menschen in Frieden leben können


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