Sehen wir uns im Meer wieder? - Sri Lanka

An Sri Lanks feinsandigen Stränden spielt sich jede Nacht ein Naturschauspiel ab: Meeresschildkröten wuchten ihre schweren Körper an Land. Vorsichtig legen sie ihre Eier in den warmen Sand, der ihnen in den nächsten Wochen das Ausbrüten abnimmt. Leider gibt es ein trauriges Problem: Die Eier sind eine Delikatesse der Einheimischen. Nachts gehen Fischer an den Stränden entlang und graben die Nester wieder aus, um die Eier anschließend auf dem Markt zu verkaufen. Deshalb hat sich auf Sri Lanka eine ganz besondere Form des Ökotourismus entwickelt: Schildkrötenschutzstationen. 

 

Sri Lanka
gerettete Babyschildkröten am Strand von Kosgoda

 

Julia und ich reisen entlang der Westküste nach Süden. Wir lassen das Verkehrsgewühl Colombos hinter uns, später die Betonklötze der Pauschalhotels, bis wir am Sandstrand von Kosgoda eine kleine Unterkunft finden. Noch am selben Nachmittag besuchen wir das „Kosgoda Marine Turtle Conservation Project", wo wir vom Projektleiter freundlich empfangen werden.
„Um die Tiere zu schützen, kaufen unsere Mitarbeiter die Eier auf den Märkten auf“, erklärt der engagierte Mann das Konzept der Schutzstation, während er uns durch den offenen Betonbau führt. Mit seinem bunten wehenden Hemd und seinem ansteckenden Lachen wirkt er sehr sympathisch. Er hat bestimmt schon hunderte Besucher durch seine Schutzstation geführt und wirkt immer noch total zufrieden und engagiert. „Außerdem graben wir Gelege von anderen Stränden aus, bevor das Fischer tun können“, fährt er fort. „Mittlerweile haben wir ein ganz gutes Netz von Freiwilligen, aber auch von Fischern selbst, die uns auf die Lage von neuen Nestern hinweisen. Manche Fischer verkaufen die Eier direkt an uns - für einen geringfügig höheren Preis, als er auf dem Markt erzielt werden kann." Er zuckt mit den Schultern, was wohl so viel bedeutet wie: Besser an uns, als für den Kochtopf. „Dann graben wir die Gelege an unserem geschützten Strandabschnitt wieder ein.“ Zufrieden weist er Richtung Meer, das sich direkt hinter der Schutzstation erstreckt. Vor dem kleinen Gebäude ist ein kurzer Strandabschnitt wie ein Gehege eingezäunt. Darüber haben Freiwillige ein Dach aus Draht gezogen, um Raubvögel abzuhalten. Alles wirkt an diesem Ort funktional und sauber. Die Wände sind mit bunten Graffitis überzogen, die Meeresschildkröten beim Schwimmen zeigen.

 

Karettschildkröte - Schildkrötenschutzstation
Karettschildkröte - Schildkrötenschutzstation

 

„Sobald die kleinen Schildkröten geschlüpft sind, setzen wir sie hier in unsere Wasserbecken." Er zeigt dabei auf mehrere saubere Beton-Aquarien. Hier schwappt Wasser hin und her und hunderte Babyschildkröten tummeln sich. Kleine schwarze niedliche Tiere, die ihre Nasen neugierig über die Wasseroberfläche strecken. Ihre winzigen Beine strampeln schnell. Niemand muss hier als Omelette enden.
Allerdings: Ob die Schutzstationen wirklich dazu beitragen, die weiter schrumpfenden Bestände zu erhalten, ist wissenschaftlich noch nicht belegt. Aber als Omelette helfen die Eier garantiert nicht weiter.
Der Projektleiter schnappt sich einen Eimer. Zwei, drei Mal schwenkt er den Plastikbehälter durch das überfüllte Aquarium. Schon stapeln sich etwa 50 Babyschildkröten darin. Wir dürfen ihn mitnehmen - gegen eine Spende. Natürlich muss sich die Station auch finanzieren. Mit dem eingenommenen Geld werden nicht nur neue Eier gekauft. Mitarbeiter klären auch die Bevölkerung auf, damit diese möglichst keine Schildkröten oder deren Eier mehr essen.

unser Eimer mit Schildkrötenbabys, die wir umgehend freigelassen haben.
unser Eimer mit Schildkrötenbabys, die wir umgehend freigelassen haben.


In einem Land, das so wunderschöne Natur zu bieten hat wie Sri Lanka, steckt das Konzept Umweltschutz leider noch in den Kinderschuhen. Für viele Familien ist es völlig normal, Fisch oder Fleisch von Wildtieren auf dem Markt zu kaufen. Natürlich werden so die einheimischen Tierbestände ungeachtet von Artenschutz dezimiert.
Bevor wir den mahnenden Zeigefinger heben, sollte wir uns selbst hinterfragen, ob wir dazu in der Position sind. In Deutschland macht Wild sicherlich nur einen kleinen Teil des Fleischkonsums aus. In den meisten Fällen trägt der Abschuss auch zum Erhalt der Wälder bei, weil sich ansonsten die Rehe, Hirsche und Wildschweine unkontrolliert vermehren würden. Ihre natürlichen Feinde, die Wölfe, haben unsere Vorfahren ausgerottet. Wildfleisch zu kaufen, ist vermutlich ethisch gesehen der beste Fleischgenuss. Unser Problem ist die Massentierhaltung, die billige Nackensteaks unter fragwürdigen Bedingungen produziert. Dazu kommt noch der CO²-Abdruck, den die Futtermittelindustrie produziert. Es ist schwer abzuwägen, ob das Dezimieren der Wildbestände oder Massentierhaltung schlimmer ist.
Auf jeden Fall können wir an diesem Abend eine einmalige Erfahrung machen. Als wir im Sonnenuntergang einen Eimer mit rund 50 geretteten Babyschildkröten zum Wasser tragen, fühlt sich jeder Schritt im warmen Sand gut an. Je näher wir den rauschenden Wellen kommen, desto aufgeregter versuchen die Tiere, aus dem Eimer zu klettern.
Die Mitarbeiter meinen es wirklich ernst mit ihren Schutzbemühungen. Für sie endet das Projekt nicht nach dem Verkauf. Sie begleiten uns zum Wasser und vertreiben mit Feuerwerkskrachern noch Seeadler und andere Raubvögel, die sich auf ein Festmahl gefreut haben. Kleine Schildkrötenbabys sind auch bei vielen Raubtieren beliebt.
Vom Eimer befreit, schieben sich die Tiere schnell und mit geschickten Bewegungen Zentimeter um Zentimeter weiter zur Gischt. Schnell verschwinden sie im aufgewühlten Wasser. Eins nach dem anderen taucht in die Wellen ein und verschwindet in der Freiheit des Meeres.
Dann setzen Julia und ich uns gemütlich in den warmen Sand und blicken in die Weite. Wir sitzen noch lange und schauen den Wellen zu, wie sie an den Strand herein rollen. Wir brauchen nichts zu sagen, um zu wissen, dass wir beide das gleiche denken: Diese Schildkrötenbabys in die Freiheit zu entlassen ist ein magisches Gefühl.

kurz vor den Wellen
kurz vor den Wellen

Naturparadies Sri Lanka


Auch abseits von Kosgodas Strand ist Sri Lanka ein wahres Naturparadies und hält viele besondere Momente für uns bereit. Die Insel beherbergt die größte Leoparden Konzentration auf unserem Planeten. Besonders gut kann man die Tiere im Yala Nationalpark beobachten. In dieser Wald- und Savannenlandschaft verbringen wir einen ganzen Tag auf der Rückbank eines Jeeps und unser Fahrer versucht die scheuen Tiere zu finden. Im frühen Morgenlicht suchen wir die wenigen Wasserstellen ab. Leider hat kein Leopard Durst. Dafür sehen wir viele andere aufregende Tiere, wie Elefanten, Warane, Mangusten, Büffel, Warzenschweine und Languren. In der Mittagshitze fahren wir vergeblich weiter zu anderen Stellen im Park, wo Leoparden gerne in den Bäumen dösen. In der Abenddämmerung haben wir Glück. Der Fahrer macht sich schon auf den Rückweg Richtung Parkgrenze. Da sehe ich eine Bewegung im Gebüsch. Enthusiastisch schreie ich den Fahrer an: "Leopard, zurück, zurück!" Der Fahrer setzt den Wagen zurück und dort zwischen zwei Bäumen läuft er mit majestätischen Bewegungen über den staubigen Savannen Boden. Er würdigt uns keines Blickes und verschwindet im hohen Gras. Der Tag hat sich wirklich gelohnt. Wir haben viele tolle Tiere gesehen und am Ende doch noch den Leopard.

Leopard, Yala Nationalpark:
Leopard, Yala Nationalpark:
Yala Nationalpark
Yala Nationalpark


Das größte Naturschauspiel der Insel sind die riesigen Elefantenherden. Im Herzen Sri Lankas befinden sich ausgedehnten Grasflächen und flache künstliche Stauseen. Hier finden die Tiere paradiesische Lebensbedingungen auch in der Trockenzeit: Genug Wasser und Nahrung. Wir beobachten die Tiere, wie sie ihre Jungen versorgen. Wie sie miteinander spielen, sich nass spritzen, grasen, raufen. Wie sie über die Grasflächen ziehen und durch den seichten See waten. Toll, das für die bedrohten Tiere solche großen Flächen zur Verfügung stehen, wo sie nicht in den Konflikt mit Menschen geraten.

Yala Nationalpark
Yala Nationalpark


Nicht nur an Land hält Sri Lanka fantastische Tierbegegnungen bereit, sondern auch im Wasser: Erst vor kurzem haben Forscher entdeckt, dass vor der Südküste eine der größten Blauwal Migrationen weltweit stattfindet. Mit einem schaukelnden Whale-Watching-Boot fahren wir und eine Gruppe anderer Reisender Richtung offenes Meer. Alle starren gebannt auf die Wellen. Dann kommt Bewegung auf. Eine Schule Delfine taucht auf, vollzieht Luftsprünge, verfolgt unser Boot und verschwindet wieder. Begeistert von dieser Sichtung fahren wir weiter und versuchen das größte Tier dieses Planeten aufzuspüren. Heute scheint es sich aber besonders gut zu verstecken. Hin und wieder passieren wir Fischerboote. Jede Mal fragt der Kapitän, ob sie einen Blauwal gesehen haben. Kopfschütteln, weitere Gesten deuten auf das offene Meer, also wir fahren noch weiter raus. Doch irgendwann ist es soweit. Er taucht einfach auf. Wir sehen einen gewaltigen Rücken von dem Wasser abperlt. Dann erhebt sich eine majestätische Schwanzflosse, und das Tier taucht wieder ab. In einiger Entfernung taucht der Wal wieder auf. Wir fahren näher ran, wobei wir immer noch einen respektvollen Sicherheitsabstand halten. Völlig ohne Scheu treibt das Tier an der Wasseroberfläche, und zeigt uns seine Rückenflosse. Wir können es wirklich lange beobachten. Es scheint einfach nur ein bisschen zu dösen. Dann taucht der Wal wieder ab, nur um kurz darauf wieder an einer anderen Stelle aufzutauchen. So geht das Spiel noch weiter. Irgendwann scheint er genug geatmet zu haben und verschwindet mit einer kräftigen und eleganten Flossenbewegung wieder in den Tiefen des indischen Ozeans.

Blauwal Mirissa
Blauwal Mirissa

Heilige Stätten

Dhambulla
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Ella
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               kommt

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